Vera F. Birkenbihls Vorwort zu „Von null Ahnung zu etwas EDV“

»Nachdem so viele Menschen wissen wollten, wie man als Management-Trainer auf das Thema Computer kommt, bat mich der Verlag, Ihnen die Vorgeschichte zu dieser Broschüre kurz zu schildern. (…) Es begann mit einem Spezial-Seminar mit dem Titel „Stroh im Kopf? – Gebrauchsanweisung für’s Gehirn“. Ausgehend von der Annahme, daß wir alle Gehirn-Benutzer sind, wiewohl nur wenige als effiziente Gehirn-Benutzer angesehen werden können, zeige ich hier mein Konzept von gehirn-gerechten Informationen auf. Ich behaupte nämlich gerne, daß jede Information leicht verständlich gemacht werden kann, wenn sie der Arbeitsweise des menschlichen Gehirns angepaßt wird. In diesem Zusammenhang zitiere ich dann immer den Lehrsatz meines Vaters, der da lautet: Es gibt keine trockenen Themen, nur trockene Theoretiker, als da sind: Professoren, Lehrer, Autoren, Chefs, Kundenberater, u.s.w.

Nun besteht das Problem bei diesem Seminartyp darin, daß es immer einige Teilnehmer gibt, die diese Aussage nicht akzeptieren können, insbesondere Lehrer. Nun, bei den meisten Sachgebieten stellen wir durch Diskussionen und Kleingruppenarbeit bald fest, daß auch die Thematik dieser Personen anders“ aufbereitet werden könnte. Nur bei den EDV-Fachleuten gelang mir dies früher nicht, weil ich selbst ja null Ahnung“ hatte. Aber ich war felsenfest überzeugt davon, daß meine Aussage oben zutraf, daß heißt, daß auch diese angeblich so trockene Thematik“ gehirn-gerecht aufbereitet werden konnte. Inzwischen gibt es das gleichnamige Buch bereits in der 5. Auflage beim GABAL-Verlag, Speyer.

Als ich wieder einmal einen Aufstand“ der EDV-Leute in einem solchen Seminar hatte, wurde es mir zu dumm. Ich besorgte mir einen Heimcomputer, einen Commodore 64; damals zu stolzen DM 1.300 (heute kostet er DM 480) und begann mich durch die trockenen Erklärungen hindurchzukämpfen. Da ich niemanden kannte, der einen Heim-Computer besaß, war ich vollkommen auf mich alleine gestellt. Dabei galt es, den Computer sowie die Programmiersprache (Simon’s BASIC) zu durchschauen. Nun, gerade drei Monate später erschien mein erstes gehirn-gerechtes Computer-Buch „Einführung in Simon’s BASIC, Schwerpunkt Grafik“, welches auch heute noch verkauft wird! In einer Computerfachzeitschrift (Happy Computer, Nov. 1984) hieß es damals: Viele Bücher geben vor, leicht verständlich geschrieben zu sein, so auch dieses. Der Hauptunterschied ist der, daß dieses Buch es wirklich ist! Immens empfehlenswert!“. Aber bald entdeckte ich COMAL (eine Mischung aus BASIC und PASCAL) als die neue Programmiersprache für Kleincomputer, und so entstand dann mein Buch Von BASIC zu COMAL. Zu diesem Zeitpunkt gab ich erste Programmierkurse und begann, das Gebiet der Textverarbeitung zu erlernen. Die beiden eben erwähnten Bücher entstanden schon mit dem Commodore 64 als „Schreibmaschine“.

Nun stellte ich fest, daß es enorm viele Menschen gibt, die ebenfalls am Computer texten oder kalkulieren sollen, die Handbücher und Anleitungen zu solchen Anwenderprogrammen“ jedoch genau so trocken“ und unverständlich für Laien sind, wie die reine EDV-Literatur“ zum Programmieren eines Rechners. Ich meine: Wenn ein Programmierhandbuch unnötig schwierig“ ist, dann ist dies zwar unschön, aber letztlich wird sich der angehende (Hobby-)Programmierer entweder durchbeißen (wie ich auch) oder aber aufgeben. Wenn aber ein Manager oder eine Sekretärin mit solch unverständlichem Kauderwelsch konfrontiert wird, kann er (sie) eben nicht einfach sagen: Also, ich lasse es halt bleiben. Zwar haben tausende zunächst enttäuscht genau so reagiert, aber früher oder später werden sie von der Entwicklung eingeholt oder überrannt werden. Hier lag der Keim zu dem neuen Seminartyp mit dem Titel „Von null Ahnung zu etwas EDV“. Dabei galt es noch zu bedenke n, daß es eigentlich nur einige wenige Grundinformationen gibt, die jeder Anwender kennen muß. Und daß dieselben Grundinformationen auch all den Menschen nutzen, die überhaupt nicht am Computer arbeiten wollen/müssen, die aber trotzdem ein wenig Ahnung haben möchten. Aus allgemeinem Interesse, oder weil ein Familienmitglied sich damit befaßt. Also konzipierte ich dieses neue Seminar. Es hat sich auf dem Markt schnell durchgesetzt, und zwar bei Firmen unterschiedlichster Art. Um nur zwei zu nennen, ging es z.B. bei einer Textilfirma von Weltruf (Schläpfer, St. Gallen, Schweiz) darum, die Artisten (welche die Muster entwerfen), dazu zu bewegen, Papier und Stifte mit einem Grafik-Computer zu vertauschen. Bei BMW sollten Führungskräfte und Fachpersonal zum PC (= Personal-Computer) hingeführt werden. Dort machte ich mit meinem Seminarabschnitt den ersten Teil der Einführung (mit über 100 Personen), während BMW-eigene Trainer in Kleingruppen den zweiten Einführungs-Teil bewältigten.
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Natürlich bin ich inzwischen auf einen echten“ Computer umgestiegen, und zwar auf den Macintosh der Firma Apple, den ich persönlich nach wie vor für den gehirn-gerechtesten PC halte mit phänomenalen Möglichkeiten (z.B. im Bereich des Desk-Top-Publishing). Übrigens habe ich alle Zeichnungen in diesem Text am Bildschirm erstellt (…). Nun ergab sich in einem Gespräch mit dem Verlag Beste Unternehmensführung, daß man gerne eine (gehirn-gerechte) Hinführung zur EDV-Thematik hätte. Dieser neue Vierteiler entstand und erschien in den August bis Novemberausgaben 1987 zum Erfolgs- und Karrierehandbuch“. In der Juni-Ausgabe 87 von „Congress und Seminar“ können Sie einen Bericht darüber lesen. Das ist die Möglichkeit, vom Schreibtisch aus zu publizieren, das heißt, man macht am Computer: die Texterfassung (statt Schreibmaschine), die Grafik (statt Grafikstudio), den Fotosatz und die Gestaltung (statt Herstellungsabteilung oder -firma); so daß man einen Werbeprospekt oder ein Buch tatsächlich an einem einzigen Schreibtisch mit einem Computer (und mehreren Anwenderprogrammen) bewerkstelligen kann. Das Fachwort heißt Desk(Schreibtisch) Top(Oberfläche) Publishing(Veröffentlichen/Herausgeben) und wird als DTP abgekürzt. Diesem Begriff werden Sie in der Presse (auch schon in Stern und Spiegel) immer häufiger begegnen.

Na ja, und jetzt möchte VBU diese Serie in Form der vorliegenden Broschüre auch Menschen zugänglich machen, die (noch) nicht Bezieher des Hauptwerkes sind. (Interessenten möchten bitte den Hinweis am Ende der Broschüre beachten). Und das freut mich ganz besonders, weil mir das Thema am Herzen (und Hirn) liegt. Vielleicht kann dieser Text auch Sie von null Ahnung zu etwas EDV-Wissen führen? Das würde mich freuen.«

Vera F. Birkenbihl, Odelzhausen, Herbst/Winter 1987