Salut für eine außergewöhnliche Kreative

„Am Ende natürlich wird mich derTod doch holen – wie jeden von uns. Die Frage ist nur, wann. Und wie.“ (Carl Sagan)

Vera Felicitas Birkenbihl war ein großer kleiner Mensch. Sie hat ihr Leben gelebt, hat es in die eigenen Hände genommen, hat nachgedacht und ihre Erkentnisse mit ihren Erfahrungen vermischt, die Ergebnisse ihrer Forschungen analysiert und „gehirn-gerecht“ an andere Menschen weitergegeben. Das war ihre lebenslange Berufung und die kostete Kraft und Zeit und deshalb hatte sie für ein Privatleben oder eigene Kinder keine Zeit. Wichtig war ihr dabei aber auch, das, was sie in ihren Büchern und unzähligen Veranstaltungen an Dritte vermittelte, auf dem neuesten Stand der Wissenschaft war.

Kein anderes Organ des menschlichen Körpers ist so komplex wie unser Gehirn, das mit über 100 Milliarden Nervenzellen und über einer Vielzahl mehr an Synapsen sowohl für die Steuerung unseres Körpers sorgt als auch für unser bewusstes Ich mit allen seinen Gefühlen und Denkprozessen. Der Hirnforschung gehe es um die Erklärung des unerklärten Universums in uns selbst, sagt Prof. Wolf Singer vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung und VFB versuchte zeitlebens die Geheimnisse dieses Superorgans zu ergründen. Dabei wollte sie ernst genommen werden. Aber sie wollte auch richtig an- und ausgesprochen werden. Einer ihrer Lieblingssätze ging in etwa so: „Nennen Sie mich nie ‚Vera Birkenbihl‘ – ich heiße Vera F. Birkenbihl“. Und sie sprach ihn auch in Richtung des Bayerischen Rundfunks, der gleich in ihrer ersten „Alpha“ TV-Folge bei der Namensnennung das „F.“ vergessen hatte.

Vera F. Birkenbihl liebte es zudem, ihre Leserschaft und das Publikum mit kleinen Sonderinformationen zu „verwöhnen“. Wenn sie die Neurowissenschaft auf ihrem aktuellen Stand durchschritt, wagte sie immer auch einen Blick durch die bei ihr benachbarten Türen zur Philosophie, Esoterik und Allgemeinbildung. Sie nannte diese Sonderinfos „goodies“ und hatte dieses Prinzip aus den USA mitgebracht: für das Gehirn attraktive Info-Zugaben als zusätzlicher Lern-Anreiz. Deshalb möchte ich dies hier gerne aufgreifen und Sie fragen: Wussten Sie, dass „Birkenbihl“ von der Wortableitung her eine in früheren Jahrhunderten geläufige Bezeichnung für einen Birkenhügel war und Felicitas lateinisch für „Glück / Fruchtbarkeit / Seligkeit“ steht versinnbildlicht von der römischen Gottheit gleichen Namens. Vera wiederum findet einen häufigen Gebrauch im slawischen Sprachraum und bedeutet dort „Glaube / Zuversicht / Vertrauen“. Ganz in VFBs esoterischen Betrachtung von Zusammenhängen im Leben, darf man sich fragen: waren Felicitas deshalb die Erkenntnisse des US-Amerikaners Martin E. P. Seligman so nah?

Birkenbihl war die erste Deutsche Trainerin, die Wissens-Infotainment praktizierte und damit TV-Moderationspraktiken aus den 1960er Jahren bspw. von Prof. Heinz Haber in ARD und ZDF weiterentwickelte. Sie war ihr eigenes Unternehmen, gründete ein Institut, einen Verlag, vermarktete kurzzeitig gemeinsam mit Wolfgang Lang als „Birkenbihl.Media“ und später alleine mit Hilfe externe Dienstleister Ton- und Bildmitschnitte ihrer Seminare und Vorträge und war bereits ab 1997 auf einer eigenen Webseite präsent. Der Bayerische Rundfunk produzierte mit Birkenbihl TV-Reihen wie „Alpha – Sichtweisen für das dritte Jahrtausend oder „Kopfspiele“.

Für Tagungen und Kongresse sowie verschiedene Printmedien, darunter die Frankfurter Allgemeine Zeitung, Haufe oder das JOURNAL für die Frau, schrieb sie Artikel, Kolumnen und Texte, wurde landesweit für Fortbildungsveranstaltungen und Firmenmeetings gebucht (darunter 3M, BMW, die Bayerische Rückversicherung, Citroën, DVS, Henckel, Hewlett-Packard, IBM, Krauss-Maffei, LBS, Procter & Gamble, Quelle, Siemens, Sony, Sun Microsystems, Titmus, Vereinigte Versicherungen und Zenker-Hausbau) mit Gagen teilweise im fünfstelligen Euro-Bereich; zeitweise war VFB die bestbezahlte Rednerin Deutschlands.

Vera F. Birkenbihl 1983
(Birkenbihl Sammlung Jena)

Keine Frage: Vera F. Birkenbihl hatte es mit Fleiß, Ausdauer, innovativen Ideen und Geschäfts-Konzepten sowie ihrer hartnäckigen Präsenz in einer nahezu männlich dominierten Branche geschafft, war 2010 als Trainerin und Rednerin ganz oben angekommen. Eben das meinte ich mit meinem Satz: Vera Felicitas Birkenbihl hat ihr Leben gelebt und auf ihre Art das Beste daraus gemacht. Natürlich wollte sie sich nie mit dem Erreichen des 65. Lebensjahres aus dem Beruf(ung)sleben zurückziehen und aus dem Leben schon gar nicht, hatte für das zweite Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts noch so viel vor und große Ziele, hatte gerade in ihrem neuen Domizil nahe der Hansestadt Bremen den Lehrbetrieb aufgenommen. Doch klopfte eine schwere Krankheit unverhofft an die Tür ihres Büromobils, die – wie so oft, wenn ein Mensch sein Leben rastlos ohne Rücksicht auf sein körperliches Befinden „für die Sache“ die er liebt lebt und Arztbesuche verschiebt – am Ende nicht mehr zu bändigen war. Nein, niemand will „einfach so“ von der Bühne abtreten, gerade der Mensch Vera F. Birkenbihl nicht, denn sie genoss es, vor „ihrem“ Publikum zu sprechen und dieses mit ihrer Leidenschaft für nahezu alle Dinge dieser Welt weiterzubilden.

Aber ab dem Jahre 2005 alterte VFB sichtbar und bereits Mitte 2010 konnte sie nur noch kurze Vorträge halten, »so 20 Minuten …« sagte sie und man ahnt es: Obwohl Birkenbihl mit einem Scooter auf die Bühne fuhr, da sie zu schwach zum Laufen war und in den ersten zehn Minuten ihres Auftritts kaum richtig Luft holen konnte, lebte sie, umso länger sie redete und je mehr ihrer KAWA-/KAGA Graffitos sie über Overhead-Projektoren vor den ZuschauerInnen ausbreitete, auf, wirkte mit jeder weiteren Minute jünger, frischer und lebendiger, setzte sich auch schon mal an ihr CASIO-Keyboard und spielte kleine Melodien.

Es war fast wie ein kleines Wunder für die Gäste ihrer Seminare, die ahnten, dass gehirn-gerechtes Arbeiten / Denken / Vortragen / Lehren einem geschwächten Menschen helfen kann, über sich hinaus zu wachsen. Doch am Ende einiger ihrer letzten öffentlichen Vorträge gab es den Punkt „Einen Tag vor Deinem Tod – kehre um“. Ein Satz daraus ist mir in Erinnerung geblieben.

Dem Tod ins Angesicht zu sehen, sagte Vera F. Birkenbihl, verschaffe einem Menschen »ungeheure Klarheit. Ich nehme keine Vorträge mehr an, wenn ich wüsste, dass ich morgen sterben könnte. Dass ich heute hier bin, zeigt Ihnen, dass es bei weitem noch nicht so weit ist.« Und man / frau glaubte es ihr nur zu gerne. Vor allem als sie anlässlich ihren 40-jährigen Bühnenjubiläums im Oktober 2010 gestand, dass sie bereits am Abnehmen sei. »Sieben Kilo sind schon geschafft. Wenn es mit dem Gewicht runter geht, geht es mit mir aufwärts«, berichtete sie und versprach, für jedes Jahr ihrer Bühnenpräsenz ein Kilo abnehmen zu wollen.

You don’t get to choose how you’re going to die, or when. You can only decide how you’re going to live. Now.“ drückte es einst Joan Baez aus und genauso agierte Vera F. Birkenbihl. Tatsächlich verlor sie einen großen Teil ihres Übergewichts und hatte den großen Wunsch, im Sommer 2011 mit dem Büromobil wieder zu ihrem Publikum zurückkehren; bis dahin unterichtete VFB weiter in Osterholz-Scharmbeck. Nicht dass wir uns missverstehen: Birkenbihl war hochintelligent und sie wusste, dass die Schluckbeschwerden und das immer öfter auftretende Sodbrennen einen Grund haben mussten und der starke Gewichtsverlust nicht zu 100 Prozent auf ihre Initiative zurückging. Unmittelbar vor ihrem 65. Geburtstag nahm sie endlich allen Mut zusammen und ließ sich von Ärzten durchchecken. Deren Diagnose war vernichtend: Ösophaguskarzinom – Krebs im fortgeschrittenen Stadium.

Und doch gab es Hoffnung: Die Mediziner riskierten eine Operation und die verlief wesentlich besser als von den Experten erwartet. Im Grunde viel zu gut für VFB. Denn, da Totgesagte aus ihrer Sicht länger leben, wurde Vera F. Birkenbihls Krankenzimmer von ihr kurzerhand zum Büro umfunktioniert, denn es gab ja sooo viel nachzuholen. Nein, sie schonte sich nicht und hielt sich ebensowenig an ihre Therapievorgaben. Stattdessen entwickelte sie lieber neue Seminare über Behandlungsqualität für Ärzte und Pflegekräfte der Bremer Klinik. Und die mühsam – teilweise durch ein kontrolliertes künstliches Koma – zurückerlangten Kräfte von Vera F. Birkenbihl schwanden wieder.

Obwohl sie noch voller Tatendrang war, starb eine außergewöhnliche Kreative viel zu früh, wenige Tage vor dem Nikolaustag 2011, ohne ihren Jahrzehnte langen Kampf, von der Wissenschaft wie der breiten Allgemeinheit geachtet zu werden, gewonnen zu haben. Beispielweise schrieb der Hochschulanzeiger der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (und dies obwohl die FAZ bereits einen langen Text Birkenbihls über Spiegelneuronen und Gehirntraining veröffentlicht hatte), ihr Buch „Stroh im Kopf?“ sei zwar „der Klassiker unter den Lern-Ratgebern“, „bausche“ das Thema Lernen „aber reichlich auf. So mancher Tipp ist kalter Kaffee.“ – Solche Urteile über ihre Arbeit trafen Vera. F. Birkenbihl stets schwer.

Nach ihrem Tode fanden sich in ihrem Haus bei Bremen nicht nur containerweise Bücher, allesamt mit Randbemerkungen und Notizen Vera F. Birkenbihls oder ihres Vaters Michael, sondern auch fast 400 Aufzeichnungen aus vier Jahrzehnten an Vorträgen, Seminaren und Workshops auf Tonband, Tonkassetten und MP3-Audiofiles (= seit 1976) sowie VHS- und Betamax-Videos sowie DVDs (= seit 1983). Es scheint, als hätte VFB beinahe ihr gesamtes berufliches Vortragsleben mitgeschnitten, von ersten Kassettenrekorder-Aufnahmen bei US-Army-Schulungen bis zu den letzten Videos. Auf der Bühne liefen Mikrofon und Recorder oder Kamera (fast) immer mit, zuhause zuletzt die Webcam. Warum aber hat sie mit so großem Aufwand versucht, ihre Seminare und Vorträge, die teilweise von Stadt zu Stadt recht ähnlich waren, akustisch und bildlich festzuhalten?

Die Birkenbihl Sammlung Jena macht sich seit 2020 auf dem Weg, neben anderen Dingen unter anderem auch dieses Geheimnis der körperlich kleinen aber geistig so großen Frau, der – im wahrsten Sinne des Begriffs – „Grand Dame“ des gehirn-gerechten Arbeitens in Deutschland, zu ergründen. Bisher weiß man nur, dass sie das als eine Art Feedback ansah um sich so auf mögliche Fragen einzustellen, die bei späteren Veranstaltungen gestellt wurden. – Man darf gespannt sein, was sich noch so alles ergibt.

In diesem Sinne

Rainer W. Sauer (Leiter der Birkenbihl Sammlung Jena)

UP ANOTHER LEVEL

„In einer Welt, in der der Tod ein Jäger ist, gibt es keine Zeit für Bedauern oder Zweifel. Es ist Zeit nur für Entscheidung.“ (Carlos Castaneda)

VERA F. BIRKENBIHL HAT SICH EIN LEBEN LANG DAFÜR ENTSCHIEDEN, MENSCHEN GEISTIG AUF EINE HÖHERE EBENE ZU BRINGEN. WIR HABEN UNS ENTSCHIEDEN, ALLES ZU SAMMELN, WAS DIE WELT MIT IHR VERBINDET. UND MIT IHREM VATER. UND DEM GROSSVATER.

WAS SIE FÜR UNS TUN KÖNNEN

UNSERE SAMMLUNG LEBT VON SPENDEN; AUCH DAS DIGITALPORTAL „BILDUNGSZENTRUM VERWALTUNG“ IST EINE PRIVATE NON-PROFIT ORGANISATION. – WENN SIE ETWAS BESITZEN, DAS SIE MIT VERA F. BIRKENBIHL VERBINDET, IHREM VATER ODER GROSSVATER UND SIE MÖCHTEN ES UNSERER SAMMLUNG HINZUFÜGEN, DANN SETZEN SIE SICH MIT UNS VIA E-MAIL IN VERBINDUNG UNTER: KONTAKT @ BIRKENBIHL.NET – VIELEN DANK!

G A L E R I E

LASSEN SIE IHREM GEHIRN FREIEN LAUF …

… mit BÜCHERN, VIDEOS, IDEEN & KONZEPTEN aus dem KOPF von Vera F. Birkenbihl und folgen Sie ihrem Weg!

Vera F. BirkenbihlVERS

Vera