Salut für eine außergewöhnliche Kreative

Vera Felicitas Birkenbihl war ein großer kleiner Mensch. Sie hat ihr Leben gelebt, hat es in die eigenen Hände genommen, hat nachgedacht und ihre Erkentnisse mit ihren Erfahrungen vermischt, die Ergebnisse analysiert und „gehirn-gerecht“ an andere Menschen weitergegeben. Das war ihre lebenslange Berufung. Wichtig war ihr dabei aber auch, richtig an- und ausgesprochen zu werden. Einer ihrer Lieblingssätze ging in etwa so: „Nennen Sie mich nie ‚Vera Birkenbihl‘ – ich heiße Vera F. Birkenbihl“. Und sie sprach ihn auch in Richtung des Bayerischen Rundfunks, der gleich in ihrer ersten „Alpha“ TV-Folge bei der Namensnennung das „F.“ vergessen hatte.

VFB liebte es zudem, ihre Leserschaft und das Publikum mit kleinen Sonderinformationen zu „verwöhnen“. Sie nannte das „goodies“ und hatte dieses Prinzip aus den USA mitgebracht: für das Gehirn attraktive Info-Zugaben als zusätzlicher Lern-Anreiz. Deshalb möchte ich dies hier gerne aufgreifen und Sie fragen: Wussten Sie schon, dass „Birkenbihl“ von der Wortableitung her eine in früheren Jahrhunderten geläufige Bezeichnung für einen Birkenhügel war und Felicitas lateinisch für „Glück / Fruchtbarkeit / Seligkeit“ steht, versinnbildlicht von der römischen Gottheit gleichen Namens. Vera wiederum findet einen häufigen Gebrauch im slawischen Sprachraum und bedeutet dort „Glaube / Zuversicht / Vertrauen“.

Vera F. Birkenbihl war die erste Deutsche Trainerin, die Infotainment praktizierte und damit Vorgaben von TV-Größen wie beispielsweise Prof. Dr. Heinz Haber weiterentwickelte. Sie war ihr eigenes Unternehmen, gründete ein Institut, einen Verlag, vermarktete als „Birkenbihl.Media“ oder über externe Dienstleister Mitschnitte ihrer Seminare und Vorträge und betrieb bereits 1997 hierfür eine eigene Webseite. Der Bayerische Rundfunk produzierte mit Birkenbihl TV-Reihen wie „Alpha – Sichtweisen für das dritte Jahrtausend oder „Kopfspiele“. Für Tagungen und Kongresse sowie verschiedene Printmedien, darunter die Frankfurter Allgemeine Zeitung, schrieb sie regelmäßig Artikel, Kolumnen und Texte, wurde landesweit für Fortbildungsveranstaltungen und Firmenmeetings gebucht (darunter BMW, die Bayerische Rückversicherung, DVS, Henckel, Hewlett-Packard, IBM, Krauss-Maffei, LBS, Procter & Gamble, Quelle, Siemens, Sony und Zenker-Hausbau) mit Gagen teilweise im fünfstelligen Euro-Bereich. – Keine Frage: Vera F. Birkenbihl hatte es mit Fleiß, Ausdauer, innovativen Ideen und Geschäfts-Konzepten sowie ihrer hartnäckigen Präsenz in einer nahezu männlich dominierten Branche geschafft, war 2010 als Trainerin und Rednerin ganz oben angekommen. Eben das meinte ich mit meinem Satz: Vera Felicitas Birkenbihl hat ihr Leben gelebt.

Natürlich wollte sie sich nie mit dem Erreichen des nominellen Rentenalters aus dem Beruf(ung)sleben zurückziehen und aus dem Leben schon gar nicht, hatte für das zweite Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts noch so viel vor, hatte gerade in ihrem neuen Domizil nahe der Hansestadt Bremen den Lehrbetrieb aufgenommen. Doch klopfte ihre Krankheit unverhofft an die Tür ihren Büromobils, die – wie so oft, wenn ein Mensch sein Leben rastlos ohne Rücksicht auf sein körperliches Befinden „für die Sache“ die er liebt lebt und Arztbesuche verschiebt – am Ende nicht mehr zu bändigen war. Nochmal: Niemand will „einfach so“ von der Bühne abtreten, gerade der Mensch Vera F. Birkenbihl nicht, denn sie genoss es, vor ihrem Publikum zu sprechen und dieses mit ihrer Leidenschaft für nahezu alle Dinge dieser Welt weiterzubilden. Und doch war sich Vera F. Birkenbihl durchaus der Tragweite des Lebensendes bewusst, sagt dazu in der „Alpha“-Folge zum Thema „Tod“ einen passenden Satz.

Vera F. Birkenbihl in Osterholz-Scharmbeck (Birkenbihl Sammlung Jena)

Ab dem Jahre 2005 alterte VFB in nur wenigen Jahren sichtbar und ihre Körperfülle nahm zu, was ihrem ruhelosen Arbeitsleben geschuldet war. Bereits Mitte 2010 konnte sie nur noch kurze Vorträge halten, „so 20 Minuten“ sagte sie und man ahnt es: Obwohl Vera F. Birkenbihl mit einem Scooter auf die Bühne fuhr, da sie zu schwach zum Laufen war und in den ersten zehn Minuten ihres Auftritts kaum richtig Luft holen konnte, lebte sie, umso länger sie redete und je mehr ihrer fantastisch-bunten KAWA-/KAGA Graffitos sie über Overhead-Projektoren vor den ZuschauerInnen ausbreitete, auf, wirkte mit jeder weiteren Minute jünger, frischer und lebendiger, setzte sich auch schon mal an ihr CASIO Leuchttastenkeyboard und spielte kleine Melodien.

Es war fast wie ein kleines Wunder für die Gäste, die ahnten, dass gehirn-gerechtes Arbeiten / Denken / Vortragen / Lehren einem im Grunde geschwächten Menschen helfen kann, über sich hinaus zu wachsen. Doch am Ende einiger ihrer letzten öffentlichen Vorträge gab es den Punkt „Einen Tag vor Deinem Tod – kehre um“. Ein Satz daraus ist mir in Erinneurung geblieben. Dem Tod ins Angesicht zu sehen, sagte Vera F. Birkenbihl, verschaffe einem Menschen »ungeheure Klarheit. Ich nehme keine Vorträge mehr an, wenn ich wüsste, dass ich morgen sterben könnte. Dass ich heute hier bin, zeigt Ihnen, dass es bei weitem noch nicht so weit ist.« Und man / frau glaubte es ihr nur zu gerne. Vor allem als sie anlässlich ihren 40-jährigen Bühnenjubiläums im Oktober 2010 gestand, dass sie bereits am Abnehmen sei. »Sieben Kilo sind schon geschafft. Wenn es mit dem Gewicht runter geht, geht es mit mir aufwärts«, berichtete sie und versprach, für jedes Jahr ihrer Bühnenpräsenz ein Kilo abnehmen zu wollen.

You don’t get to choose how you’re going to die, or when. You can only decide how you’re going to live. Now.“ drückte es einst Joan Baez aus und genauso agierte Vera F. Birkenbihl. Tatsächlich verlor sie einen großen Teil ihres Übergewichts und plante im Sommer 2011 mit dem Büromobil wieder zu ihrem Publikum zurückkehren; bis dahin unterichtete VFB in Osterholz-Scharmbeck. Nicht dass wir uns missverstehen: Birkenbihl war hochintelligent und sie wusste, dass die Schluckbeschwerden und das Sodbrennen einen Grund haben mussten und der Gewichtsverlust nicht zu 100 Prozent auf ihre Initiative zurückging und deshalb ließ sie sich unmittelbar vor ihrem 65. Geburtstag endlich von Ärzten durchchecken. Deren Diagnose war vernichtend: Ösophaguskarzinom – Krebs im fortgeschrittenen Stadium.

Und doch gab es einen Hoffnungsschimmer: Die Mediziner riskierten eine Operation und die verlief wesentlich besser als von den Experten erwartet. Aber da Totgesagte aus ihrer Sicht länger leben, wurde Vera F. Birkenbihls Krankenzimmer von ihr kurzerhand zum Büro umfunktioniert, denn es gab ja sooo viel nachzuholen. Nein, sie schonte sich nicht und hielt sich ebensowenig an ihre Therapievorgaben. Stattdessen entwickelte sie lieber neue Seminare über Behandlungsqualität für Ärzte und Pflegekräfte der Klinik. Und die mühsam – teilweise durch ein kontrolliertes künstliches Koma – zurückerlangten Kräfte schwanden wieder.

Obwohl sie noch voller Tatendrang war, starb eine außergewöhnliche Kreative viel zu früh, wenige Tage vor dem Nikolaustag 2011, ohne ihren Jahrzehnte langen Kampf, von der Wissenschaft und der Allgemeinhat ernst genommen zu werden, gewonnen zu haben. Beispielweise schrieb der Hochschulanzeiger der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (und dies obwohl die FAZ bereits einen langen Text Birkenbihls über Spiegelneuronen und Gehirntraining veröffentlicht hatte), ihr Buch „Stroh im Kopf?“ sei zwar „der Klassiker unter den Lern-Ratgebern“, bausche das Thema Lernen „aber reichlich auf. So mancher Tipp ist kalter Kaffee.“ Solche Urteile über ihre Arbeit trafen Vera. F. Birkenbihl schwer. Nach ihrem Tode fanden sich in ihrem Haus fast 400 Aufzeichnungen aus vier Jahrzehnten an Vorträgen, Seminaren und Workshops auf Tonband und Audiokassetten, VHS- und Betamax-Videos sowie DVDs und MP3-Audiofiles.

Es scheint, als hätte VFB beinahe ihr gesamtes berufliches Leben mitgeschnitten. Auf der Bühne liefen Mikrofon und Recorder oder Kamera immer mit, zuhause die Webcam.Warum aber hat sie mit so großem Aufwand versucht, ihre Vorträge, die teilweise von Stadt zu Stadt recht ähnlich waren, akustisch und bildlich festzuhalten? Die Birkenbihl Sammlung Jena macht sich seit 2020 auf dem Weg, unter anderem auch dieses Geheimnis der „Grand Dame“ des gehirn-gerechten Arbeitens zu ergründen.

In diesem Sinne

Rainer W. Sauer (Leiter der Birkenbihl Sammlung Jena)

UP ANOTHER LEVEL

„In einer Welt, in der der Tod ein Jäger ist, gibt es keine Zeit für Bedauern oder Zweifel. Es ist Zeit nur für Entscheidung.“ (Carlos Castaneda)

VERA F. BIRKENBIHL HAT SICH EIN LEBEN LANG DAFÜR ENTSCHIEDEN, MENSCHEN GEISTIG AUF EINE HÖHERE EBENE ZU BRINGEN. WIR HABEN UNS ENTSCHIEDEN, ALLES ZU SAMMELN, WAS DIE WELT MIT IHR VERBINDET.

WAS SIE FÜR UNS TUN KÖNNEN

UNSERE SAMMLUNG LEBT VON SPENDEN; AUCH DAS DIGITALPORTAL „BILDUNGSZENTRUM VERWALTUNG“ IST EINE PRIVATE NPO. – WENN SIE ETWAS BESITZEN, DAS SIE MIT VERA F. BIRKENBIHL VERBINDET UND SIE MÖCHTEN ES UNSERER SAMMLUNG HINZUFÜGEN, DANN SETZEN SIE SICH MIT UNS VIA E-MAIL IN VERBINDUNG UNTER: ANFRAGE @ BIRKENBIHL.BIZ – VIELEN DANK!

G A L E R I E

LASSEN SIE IHREM GEHIRN FREIEN LAUF …

… mit BÜCHERN, VIDEOS, IDEEN & KONZEPTEN aus dem KOPF von Vera F. Birkenbihl und folgen Sie ihrem Weg!

Vera F. BirkenbihlVERS

Vera