Am Anfang war das Feuer …

… und das wurde bei mir entfacht, als ich die erste Folge der TV-Sendung „Kopfspiele“ mit Vera F. Birkenbihl sah. Da war doch was, dachte ich und erinnerte mich zurück. Ich hatte meiner Heimatstadt Offenbach am Main (… in der sich heute der GABAL Verlag* befindet …) Ende der 1970er Jahre den Rücken gekehrt, war verheiratet und auf der anderern Mainseite ansässig geworden. Als Hörfunkmoderator des Hessischen Rundfunks – meine Sendung hieß „Sounds vom Synthesizer“ – wollte ich Anfang 1985 bei GABAL einmal vorfühlen, ob man dort Interesse an einem Buch über Synthesizer und wie sie funktionieren habe, denn ich hatte bis dato schon einiges in verschiedenen Printmedien publiziert und u.a. für SIEMENS („Chancen mit CHIPS“) Seminare zum Thema gegeben.

Mit meiner eigenen Zeitschrift, dem „Synthesizermagazin“, hatte ich gerade als (im wahrsten Sinne des Wortes) „Herr-Ausgeber“ finanziellen Schiffbruch erlitten, was mich aber nicht daran hinderte, an einem elektronischen Synthesizermagazin für den Commodore 64 Computer namens „Synchron“ zu basteln, das ich dann auch Anfang 1986 auf der Microcomputer Messe in Frankfurt am Main der Öffentlichkeit vorstellte. Um es kurz zu fassen: GABAL hatte kein wirkliches Interesse an meiner Arbeit, aber sie empfahlen mir ihr neues Erfolgsbuch „Stroh im Kopf?“, was ich damals als recht despektierlich mir gegenüber empfand. Aber, seis drum: ich kaufte es mir.

Erstausgabe (1983) und 4. Auflage (1986) von „Stroh im Kopf?“, erschienen im GABAL Verlag/Speyer (Birkenbihl Sammlung Jena)

So kam ich auf Vera F. Birkenbihl und als ich MItte der 1990er Jahre von Jena aus als Verwaltungstrainer zu arbeiten begann, war ihr Werk eines meiner Leitfäden neben Büchern von Peter Drucker, Charels B. Hundy, Marshall McLuhan oder Lothar Seiwert und der Overheadprojektor mein bevorzugtes Kommunikationsmittel. Und nun sah ich also auf dem TV-Bildschirm, wie eine kleine Frau mit markanter Stimme virtuos und schnell sozusagen „kopfüber“ zeichnen konnte und die konsequent bestimmend-einleuchtende Art ihrer Wissenvermittlung, der man sich als Zuschauer einfach nicht entziehen konnte, war mehr als überzeugend. Ich nahm mir fest vor, Vera F. Birkenbihl einmal für ein Radio-Interview treffen zu wollen – es wurde 2005, 2007, 2009. Ich schrieb ihr eine E-Mail, sie schrieb zurück, dass sie sich melden werde, wenn sie wieder einmal »… im Lande …« sein würde … und plötzlich war sie tot.

Was blieb war anfangs große Leere!

Es dauerte rund fünf Jahre, bis ich das tat, was ich bereits zuvor bei und für Heiner Pudelko, Hanns Dieter Hüsch und Heinz Schenk gemacht hatte: ich fing an, „Vera F. Birkenbihl“ zu sammeln. Den Anfang der BIRKENBIHL SAMMLUNG Jena (BSJ) machte das Buch, das einst bei mir das VFB-Feuer entfacht hatte: meine Zweitauflage von „Stroh im Kopf?“. Zu den verschiedensten Sammel-Objekten kamen mit der Zeit auch Geschichten und Anekdoten hinzu, die mir die Menschen erzählten, die etwas zur BSJ beisteuerten. Der eine gab ein „UP another LEVEL“ T-Shirt, eine andere vier KaWa-Papp-Tafeln, die sie Vera F. Birkenbihl nach einer Veranstaltung „abschwatzen“ konnte, was wohl gar nicht so einfach war. O-Ton Birkenbihl: »Was wollen Sie denn damit? Die können sie ja gleich wegschmeißen. Kaufen Sie mein Buch XXXXX, da sind viel bessere Analograffittis drin. Heute habe ich nur so drauflos gezeichnet. DAS DA ist nun wirklich nichts Besonderes.« – Nun ja. Die Pappen haben es immerhin in die Sammlung geschafft.

Der Birkenbihl Holz-Elefant (Birkenbihl Sammlung Jena)

Der Elefant ist etwas besonderes, wie er es auch für Vera F. Birkenbihl war. Groß, mächtig und er vergisst nichts, oder »Elephants Can Remember« wie Vera F. Birkenbihl es mit einem Romantitel von Agatha Christie treffender ausdrückte – also das perfekte Symbol für Gehirnmanagement und damit für die Idee unserer Birkenbihl Sammlung. Wir haben die aus vielen Live-Events bekannten sprechenden Kurzzeitmesser, ihre Philcorda-Orgel, gleich zwei Liesegang „Trainer Deluxe“ Overhead-Projektoren mit der berühmten Kurbelfolienmöglichkeit, mehrere CASIO Keyboards und einige weitere typische VFB-Utensilien (auch solche aus dem Star-Trek-Universum), natürlich die Bücher, die sie selbst verfasst hat. viele ihres Vaters und solche des Großvaters, sowie nahezu jede Ton- und VHS-Cassette , DVD oder CD-ROM, die Vera F. Birkenbihl jemals veröffentlicht hat.

Es fehlt uns eigentlich nur noch das Hymer Büromobil Nr. 9, aber das wäre wahrscheinlich dann doch etwas zu groß für unsere Sammlung. Allerdings: Wer es gerne an uns weitergeben möchte, der sei willkommen bzw. »You are welcome« wie VFB in den 1970er und 1980er Jahren hundertfach bei ihren US-Army-Seminaren sagte. 🙂

Abschließend geht und gilt mein Dank hier aber auch nach Jena an Marcus und Svenja, Dorian und Cathrin und an Birgit. Dies sind die fleißigen Helfer unserer Birkenbihl Sammlung, ohne die dies alles nicht möglich geworden wäre. Und natürlich blicke ich auch nach ganz oben, wo Vera Felicitas mit Sicherheit immer noch zeichnet und erklärt und mit ihren Armen durch die Luft rudert – inklusive ihrer obligatorischen zwei Sekunden Kunst-Pause, um zu warten, ob die Botschaft auch angekommen ist. Und sicher wird sie ein ums andere Mal versuchen, Gott als Co-Autor für ihr neues Buch zu gewinnen.

Und noch etwas: Wenn Sie Gutes tun wollen, und zwar ganz im Sinn von VFB, dann spenden Sie für Ashoka Deutschland. Gemeinsam setzt man sich dort für den Erfolg Sozialer Innovationen in unserem Land ein. Mit dem Ziel, (Zitat) „… nicht nur wirkungsvolle Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen beizutragen. Auf dem Weg dorthin ermutigt Ashoka immer mehr Menschen, um ihnen den Raum geben, sich selbst für die Überwindung gesellschaftlicher Herausforderungen zuständig zu machen statt sie von anderen einzufordern.“ So entsteht mit Hilfe von Ashoka nach und nach eine Welt, in der „… jede/r ein Changemaker …“ sein kann.

Rainer W. Sauer, Jena (… verfasst anlässlich des 76. Geburtstags von Vera F. Birkenbihl …)


* = GABAL steht für Gesellschaft zur Förderung Angewandter Betriebswirtschaft und Aktivierender Lehr- und Lernmethoden in Hochschule und Praxis

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