Der vielfach bewährte Klassiker der Ausbildungsliteratur hatte 2011 Jubiläum: „Train the Trainer“ ging in die 20. Auflage und der Verlag mi der Münchner Verlagsgruppe schrieb seinerzeit: „Das Buch bietet Ausbildern, Dozenten und Schulungsleitern eine komplette und aktionsbezogene Darstellung der Psychologie, Pädagogik und Praxis in der Erwachsenenschulung. ‚Train the Trainer‘ enthält Hunderte von praxistauglichen Tipps und Tricks für erfolgreiche Seminare und gibt wertvolle Einblicke in Bereiche wie Gruppendynamik, Kommunikationstheorie und menschliches Verhalten. Schwierige Gebiete werden gut verständlich abgehandelt. Anfänger, Quereinsteiger und auch Profis finden in diesem grundlegenden Werk alles, um ihre Seminare erfolgreich zu gestalten und umzusetzen.“ Vera F. Birkenbihl, die nach dem Tode ihres Vaters 1993 die weitere Bearbeitung des Werkes übernommen hatte, wurde vom Velag gebeten, das Vorwort zur 20. Auflage zu schreiben – ein Wunsch, dem sie nur zu gerne nachkam. Sie schrieb:
»Als ich dieses Buch zum ersten Mal in Händen hielt, hatte es noch einen weißen Einband und entsprach seinem damaligen Untertitel: Arbeits-BÜCHLEIN für Ausbilder und Dozenten. Mein Vater hatte es seinem Vater (Professor Michael Birkenbihl) und dessen didaktischem Talent gewidmet. Das war Ende 1972 – ich war nach sieben Jahren USA gerade heimgekehrt und hatte mein erstes eigenes Buch angefangen.
Damals begannen einige wenige wie Jan WAAGE (aus Holland), Heinz GOLDMANN, Nikolaus ENKELMANN, mein Vater und ich, die deutsche Seminarszene aufzubauen. Noch kannte man Schulungen kaum. Psychologische Schulungen (Verhandlungstaktik, Einstellung zum Erfolg, Motivationsfragen etc.) waren in den USA entwickelt worden, und wir waren beide „drüben“ gewesen (ich, um zu studieren; er 18 Monate lang, um sich in puncto berufsbegleitende Weiterbildung umzusehen). Denn hier gab es damals nur rudimentäre Produktschulungen. Mein Vater erzählte aus dieser Zeit gern ein Beispiel von einem fleißigen, aber völlig „unfähigen“ Wachmaschinenvertreter:

Tagsüber machte er Termine für abends, damit er dem Ehepaar gemeinsam die Maschine vorführen konnte. Diese schleppte er dann persönlich in die Wohnung, oft auch Treppen hinauf (Lifte gab es kaum), und wusch die Wäsche des Hauses. An jenem denkwürdigen Abend merkte er zu spät, daß der Ehemann ein Kumpel aus dem Kohlebergbau war, dessen Kleidung dementsprechend aussah, während sein Waschmittelvorrat bereits auf die Hälfte der laut Hersteller geforderten Menge zusammengeschrumpft war. Er war völlig verzweifelt. Da das Wasser aber schon in der Maschine war (damals ein umständlicher Prozess), gab es kein Zurück mehr. Also lief der Waschgang ab. Als dieser nun vorbei war, nahm er das erste Kleidungsstück, setzte es in die Wringe ein und begann, die Kurbel zu drehen. (Damals war gerade eine Deluxe-Variante auf den Markt gekommen mit zwei Holzrollen, durch die man die Kleidungsstücke pressen konnte, so daß die meiste Feuchtigkeit ohne Auswringen in die Maschine zurückfloss.) Er hatte solche Angst vor dem Ergebnis, daß er WEGSCHAUEN mußte. Da hörte er die Frau rufen: „Schau mal, so sauber waren deine Kleider noch nie!“ – Später wurde dieser Verkäufer erst Gebietsleiter, dann oberster Verkaufschef für Deutschland. Die Moral der Geschichte für die TeilnehmerInnen meines Vaters war natürlich, daß man nichts verkaufen kann, an das man nicht selbst glaubt.

Wir entnehmen der Geschichte hingegen die miese Qualität sogenannter Produktschulungen, bei denen die Betreffenden oft die wahren Stärken ihrer Produkte überhaupt nicht kennenlernen. Wenn mein Vater diese Story aber im Management-Seminar erzählte, dann immer, um klarzustellen, daß Firmen den dringenden Bedarf an Training nicht wahrhaben wollen, weshalb in jeder Krise als erstes an diesem Budget herumgestrichen wird. Und das Schlimme ist: Diese klassische Einstellung des Industrie-Zeitalters beginnt erst jetzt, 40 Jahre später, ein wenig aufzuweichen. Einige Firmen haben inzwischen begriffen, daß das Wissenszeitalter begonnen hat und daß die Bedingungen zukünftig ganz andere sein werden. Gute Kopfarbeiter brauchen Schulung. Darum ist die Erwachsenenschulung eine »aufsteigende« Branche und, wenn Sie etwas zu „bieten“ haben, auch eine sichere. In Krisenzeiten wird nämlich die Spreu
hinausgeblasen, während der Weizen bleibt. Dieses Buch kann Ihnen helfen, „Weizen“ zu werden, wie die bisher über 50.000 verkaufte Exemplare zeigen!
Vera F. Birkenbihl
Osterholz-Scharmbeck, Februar 2011″
Was damals niemand ahnte: Ein dreiviertel Jahr später war VFB nicht mehr unter uns – verstorben, wie ihr Vater, an den Folgen einer Krebserkrankung. Im Gegensatz zu ihm, dem nach der Diagnose noch etwa ein Jahr Zeit geblieben war, um seine Dinge zu ordnen oder Bücher zu überarbeiten, kam der Tod bei ihr innerhalb nur weniger Monate.
Sie können zum Buch auch DIESEN LINK anklicken(= eine 46-seitige Leseprobe)!