
Vera F. Birkenbihl hat in rund fünfzig Jahren ihres Lebens als Suchende, Forschende, Praktikerin und Autorin gewirkt. Die Bremer Sozialwissenschaftlerin Jenna Voss* konnte im im März 2011 im Zuges ihrer Ausbildung zum NLP-Master eines der letzten intensiven Gespräche mit VFB führen, in dem ihr die Ikone des gehirn-gerechten Lernens und Lehrens einen Blick hinter die Kulissen ihrer Schreiberfolge gab … ein dreiviertel Jahr vor ihrem Tode. Mit anwesend bei dem Gespräch war Frau Krug, die seinerzeitige Lektorin der „Birkenbihl-Beratungsbriefe“.
Die Buch-Dokumentation setzt sich aus folgenden Hauptteilen zusammen: Im ersten und letzten Teil reflektiert Voss ihre persönliche Begegnung mit Vera F. Birkenbihl. Der zweite Abschnitt gibt das mit Birkenbihl geführte Modeling-Gespräch in voller Länge (das waren damals etwa zweieinhalb Stunden) wider. Daran schließen sich zwei vollständig transkribierte Lesungen der „Birkenbihl-Beratungsbriefe Juni 2011 und Juli 2011 an. Diese Lesungen dokumentieren laut der Autorin recht eindrücklich den Überarbeitungsprozess inkl. aller verbal nachverfolgbaren Korrekturen, die von Vera F. Birkenbihl während der Lesung vorgenommen wurden. Ein Modeling-Bericht der Schreibstrategie von VFB beschließt sie Dokumentation.
Einige aufschlussreiche Textauszüge aus dem Gespräch mit Birkenbihl
März 2011: Hat sie früher 18 Monate und mehr an einem Buch gearbeitet, sind es heute »10 Tage«. Die enorme Verkürzung liegt vor allem auch an den verbesserten Möglichkeiten für Recherche und den innovativen Schreibmitteln, die sie benutzt. Sie schreibt bis zur völligen Erschöpfung, schläft ein paar Stunden und »dann geht es weiter, 10 Tage lang. Es ist wie ein Fieber.«
Während sie Platz hinter ihrem Schreibtisch nahm, erzählte sie uns, dass ihr Gesundheitszustand sich verschlechtert hat. Sie sei im Moment kurzatmig und brauche nach Bewegung immer einen Augenblick, um zu Atem zu kommen. Die Ärzte drängten sie seit Längerem zu einer Operation, doch sie habe das so lange wie möglich herausgezögert. Nun aber müsse sie sich leider fügen.
[Frau Birkenbihl trinkt von ihrem Getränk.] VFB: »Selbst so ein Wasserschluck geht nicht einfach runter.«
Am Gesichtsausdruck von Frau Birkenbihl merkte ich, dass meine Frage nicht gut angekommen war. Sie guckte mich mit festem Blick an. »Also wenn Sie sich an die Sache selber halten, darüber können wir reden. Aber wenn Sie damit anfangen, „ach was haben Sie da gefühlt und so“, da kann ich gar nicht mit dienen. Ich bin total hier«, zeigte sie auf ihre linke Seite des Kopfes, »in der linken Ecke. Das ist der Autismus, der ganz nahe an dem Rationalen und sehr weit weg von den Gefühlen ist.«
* = Dr. Jenna Voss hat an der Universität Hannover Soziologie und Sozialpsychologie studiert und arbeitet seit 2002 an der Universität Bremen auf den Gebieten der Arbeitssoziologie, der Geschlechterforschung und der Existenzgründung. Das Werk „Eine Verabredung mit Vera F. Birkenbihl Ein Gespräch über das Schreiben: Lesung der Birkenbihl-Beratungsbriefe im März 2011“ erschien 2015 via kindle direct publishing und ist auch heute noch für den kindle Reader von Amazon abrufbar, auch über Amazon kindle Unlimited.
