Die „etwas andere“ Birkenbihl: „STORIES & POEMS – Made in USA“ [Buch]

Vorbemerkung zu St. Louis: Vera F. Birkenbihl lebte zu der Zeit, als sie die meisten Texte ihres privatesten Buches „Stories & Poems: Made in USA“ verfasste, in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. St. Louis hatte Mitte der 1960er Jahre etwa 700.000 EinwohnerInnen; bis heute hat sich diese Zahl mehr als halbiert, jedoch wohnen in der Metropolregion Greater St. Louis insgesamt 2,8 Millionen Menschen. In der Stadt befinden sich mehrere Hochschulen, darunter die Washington University, die Saint Louis University und die University of Missouri-St. Louis.

Die Stadt war früher ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt mit gleich mehreren Bahnhöfen, liegt an der legendären „Route 66“ und der Missouri war viele Jahrzehnte lang ebenso ein wichtiger Handelsweg in die und aus der Stadt. Bekannt wurde St. Louis auch wegen der verschiedenen Musiker, Künstler und Intellektuellen, die dort geboren wurden oder aufwuchsen. So ist es die Heimatstadt von Chuck Berry, hier wohnten und arbeiteten auch Ike & Tina Turner, Miles Davis, Josefine Baker oder der Rapper Nelly. Ebenso kamen und kommen die Schauspieler Kevin Kline, Vincent Price und Linda Blair aus St. Louis und Persönlichkeiten wie die TV-Predigerin Joyce Meyer, der Boxer Michael Spinks oder der Literaturnobelpreisträger T. S. Eliot.


Viele Fans und Freunde von Vera F. Birkenbihl kennen sie ausschließlich als Trainerin / Lehrende / Dozentin, als Sachbuchautorin / Aufklärerin / eine Person die an allen Aspekten der Wissenschaft und des Lebens interessiert war. Und doch macht es ein Menschenbild erst komplett, wenn man auch andere Aspekte einer Persönlichkeit kennt. In ihrem Buch „Stories & Poems: Made in USA“ , 1987 im eigenen „A-Verlag“ inkl. vieler Zeichnungen, die VFB „freimaus“ auf dem Mac erstellt hatte, veröffentlicht, lernt man eine ganz andere Seite von VFB kennen, einen sehr privaten Menschen, diessen Texte für einige Aspekte der Person Vera Felicitas einleuchtende Erklärungen liefert.

Vera F. Birkenbihl „Onkel Werner“

MIt den Worten »Geschichten & Gedichte sind mir zwischen 1969 und 1972 zugeflogen, als ich noch in den USA lebte. Wenn Sie Englisch lesen können und eine etwas andere Vera F. Birkenbihl kennenlernen möchten, dann kaufen Sie dieses Buch.« macht sie von Anfang an klar, was die Leserschaft hier erwartet und doch zeigt er ein Blick in das rund 100 Seiten starke Buch, wie sehr sich VFB hier öffnet. Über berührende Gedichte für ihren Onkel Werner und Großmutter Emily (Anm.: im Anhang des Buches gibt Birkenbihl – wie bei allen ihren Arbeiten – Quellenangaben und dort erhält man einen seltenen Einblick in die Familie ihrer Mutter Anna, deren Bruder und VFBs Großmutter mütterlicherseits, die hier liebevoll beschrieb), in denen man auch erfährt, dass es Emiliy war, die VFBs Liebe zum Teetrinken, vielleicht sogar das Rauchen, entfachte. Auszug: »Du sagtest, Du wärest zu jung, um eine Oma zu sein, deshalb nannte ich dich immer Emily … (…) … als ich bei Dir saß und wir starken schwarzen Tee tranken (…) und die Asche Deiner Zigaretten herabfiel …«, bis hin zu einer Beschreibung des Abends des 26. April 1946 aus Sicht ihrer Eltern, als Vera F. Birkenbihl [… nur in ihrer Geschichte? …] nicht zuhause und auch nicht in einem Spital sondern auf der Straße geboren wurde, kurz nachdem – der zweite Weltkrieg war noch nicht einmal ein Jahr vorbei – ein explodierender Blindgänger „dem alten Enninger“ das Leben geraubt hatte. Ihre Mutter sagte noch „Ich dachte, dass wir ewig leben werden …“, als sie den Leichnam sah und schon setzten die Wehen ein.

Im Vorwort zur Neuauflage Anfang der 2000er Jahre bei Breuer & Wardin schrieb sie: »Die erste Veröffentlichung dieses Büchleins geschah 1987 im Selbstverlag. Sie hat so guten Anklang gefunden, dass wir alle 10.000 Stück verkauft haben, und nun war das Buch seit Jahren vergriffen. Die alten Datenträger waren nicht mehr lesbar, und es wäre mir hier nicht möglich gewesen, alles noch mal nachzuarbeiten. Aber als das VERLAGSKONTOR als Verleger auftreten wollte, sagte ich sofort zu. Wir haben (bis auf minimale Fehler-Korrekturen) alles belassen (nachgestellt), somit können auch Kursleiter, die einige der Texte im Unterricht eingesetzt haben, weitermachen. Und eine deutsche Version wird noch folgen (Stories übersetzt, Gedichte de-kodiert), für alle, die auf fortgeschrittenem Niveau Englisch üben wollen oder für FreundInnen, die nicht Englisch lesen können. Es geht also weiter …«

In der Geschichte „April 1946 – Munich“ erfährt man auch, wie sehr sich ihr Vater einen Sohn gewünscht hatte, den er im Gedenken an den gerade Verstorbenen mit zweitem Vornamen „Emminger“ nennen wollte und im Mondlicht erkannte: es ist eine Tochter »… und ich stieß meinen ersten Schrei aus.« Interessant auch der Intellekt, mit dem sich Vera F. Birkenbihl (wieder einmal) gegen Lehrkräfte, die nichts verstehen und nur reagieren anstatt zu agieren, auflehnte. Es war im September 1971 und VFB antwortete einer Lehrerin („Madame Schaeffer“ von der University of Missouri) auf deren vernichtende Kritik auf ein Birkenbihl-Gedicht. Anstatt Anerkennung (»… oder ein Lächeln …«) erntete VFB von Frau Schaeffer den erschrockenen Ausspruch: „Es ist wirklich schrecklich, sehen Sie das nicht selbst?“ Vera F. Birkenbihl schrieb ihr als Antwort einen Brief in Gedichtform in dem sie klarstellte: »Das hat mich wirkliich sprachlos gemacht, aber es war mein Gedicht, das Sie so reagieren ließ. und dafür nehme ich gerne eine Anerkennung entgegen, falls ich das darf.«

Zusammengefasst lässt sich sagen: Dieses Buch von Vera. F. Biirkenbihl im englischen Original zu lesen ist atemberaubend interessant. 2008 gab es bei Breuer & Wardin zwar auch die deutsche Version des Buches, aber das Original zu lesen, das ist ja nun wirklich kein Problem, denn es gibt ja zum Glück „Englisch lernen für Einsteiger 1+2 (Der original Birkenbihl-Sprachkurs auf 3 CDs)„.

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